Unterfränkischer Schachverband e.V.
Bezirksverband des Bayerischen Schachbundes im Deutschen Schachbund e.V.
und Bayerischen Landessportverband

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Frühlingsgefühle

Winter Easter is coming! Ostern naht.
Den Schachspielern juckt das Fell. Bei offenem Fenster und Vogelgezwitscher erwachen sie aus ihrem trägen Verbandsrundenwinterschlaf.
Die Häuser pfeifen’s von den Dächern! (Wo sind die Spatzen?) Große Schatten werfen ihre Ereignisse voraus.
Endlich, ja endlich wieder Unterfränkische!
Erlenbach bei Marktheidenfeld ruft zur Teilnahme. Und diesem Ruf muss man nicht lange widerstehen.

Die Vorbereitungen sind in vollem Gange. Schachengines werden angeworfen. Sie surren wie emsige Krypto-Maschinen. Alte und nagelneue Eröffnungsbücher werden herausgeholt, um das angestaubte Wissen auf Vorderfrau zu bringen.

Genau – Der Frauenanteil ist existent, und die Hoffnung besteht, dass noch weitere weibliche Protagonistinnen den Weg in die Festhalle im Main-Spessart finden werden.

Aus den entlegensten Winkeln Unterfrankens pilgern die Schachjünger zum jährlich traditionellen happening.
Ehemalige Krankenpfleger, Student:Innen, Bauingenieure, IT Spezialisten, Augen- und andere Ärzte, Finanzbeamte, egal ob hessische oder bayerische, Lotsen der Deutschen Flugsicherung und weitere illustre Gäste machen sich für sechs Tage gleich im gemeinsamen Hobby, um die Meister ihrer Klassen auszufechten. Die Teilnehmerzahl der vergangenen Unterfränkischen in Wertheim ist pulverisiert. Wer weiß, wo das noch hinführen soll?

Ich mache schon jetzt einen Diener vor dem Organisationschef, diesem Schachfreund Konrad, der hinauszog, ein solch prestigeträchtiges Event in die Weinmetropole direkt an der B8 zu holen. Keine Mühen und Telefonate scheuend, alles voraus- und durchplanend. Seit einem Jahr heckt & schmeckt er wie ein Sommelier die Zutaten für die Unterfränkischen beim SV Germania Erlenbach aus & ab.

Konrad Diener, Schachsommelier aus Erlenbach😉

Feinste Begleitprogramme und Cateringnuancen wurden ausgetüftelt, die Schachgäste zu verwöhnen, und zu Höchstleistungen zu stimulieren.

Werden wie beim Schachopen „Über den Dächern von Erfurt“ Musikfanfaren die Runden „einläuten“? Gibt es eine Festschrift oder ein Turnierbulletin? Wird es in einem fachwerklichen Rathaus eine Abschlussfeier mit Wein- und Obstköniginnen wie 2010 in Kitzingen geben? Oder wird wie ebendort eine Partie des Tages ausgelobt? Kommt gar ein Großmeister zur persönlichen Partie Nachanalyse, oder werden wie in Wörth am Main 2014 Portraitfotos von den Teilnehmern zu einer Bilderwand collagiert? Dort wurden vor neun Jahren zum ersten Mal die elektronischen Bretter eingeführt, die das Geschehen hautnah auch von fern mitfiebern lassen, und die mittlerweile fester, integraler Bestandteil jeder UEM sind.
Lassen wir uns überraschen!

Im Hauptturnier wurden für die Senioren BYEpässe gelegt, damit sie die intravenösen Weinfreizeiten und das üppige Beiprogramm in den abschüssigen Hanglagen gebührend genießen und auskosten können. Die BYE Regelung zu erläutern fällt denn auch etwa so schwer wie die Abseitsregelung im Fußball zu erklären. Darüber hinaus stellt sich die Frage, ob die Schiedsrichter hier in der Zeitnotphase nun auch den Videobeweis für Grenzentscheidungen bemühen müssen?! Vorbereitungskurse gab es zumindest reichlich. Hauptsache der Ball rollt, behauptet keck der Schreiber!

In der MI kreuzen arrivierte Altmeister und Abonnementsieger mit jungen Wilden die Klingen. Generationenwechsel oder Titelverteidigung? Wie lauten hier Prognose oder Devise?

Auch die MII ist bärenstark besetzt. Werden die virtuell, inflationären Lichess Wertungszahlen so mancher Kombattanten den DWZ Stärken der analogen Wahrheit im Langschach standhalten oder hart auf die Holzbretter der Wirklichkeit aufschlagen? Über Fischer lang oder kurz werden wir sehen, wie dieser schachliche Lackmustest verläuft, und auf welchen pH Wert sich nach neun kraftraubenden Runden am Sonntag die DWZ Zahl einfärbt.

Am Osterdienstag starten die 72ten Unterfränkischen – einen Tag später als gewohnt! Gleich einem synodalen Weg musste die jahrzehntelange Tradition aufgrund veranstaltungsnotwendiger Gründe aus den Angeln gehoben werden. Der Marsch der Schachspieler in die sonnendurchflutete Festhalle Erlenbachs wird dennoch immens sein. In Scharen werden sie in der Osterzeit ähnlich den Steinbauern zum Steinbruch nach Kingsbridge in den Weinort mit Herz pilgern.

Eine Woche lang gibt es dort spannende Züge, Pattwitze, h-Bauernstürme, Opferorgien und Mattkombinationen, Turmbatterien und diagonal schockierende Winkelzüge zu bestaunen.

Ich denke an meine ersten Unterfränkischen 1986 in der Lauertalhalle zurück – und ein Lächeln schleicht sich auf mein Gesicht. Vor- und Teil-digitale Begrüßung mit Zimmervermittlung. Ausgedruckt mittels 24 Nadel- Matrixdrucker auf perforiertem Computerpapier.

Danach Gruppierung und Zuweisung eines Zimmerkollegen zu einer privaten Unterkunft in Maßbach. Dies alles ohne Verwendung des Schweizer Systems, sondern per Zufall oder FIFO Prinzip.

Wenige Mitstreiter (2, in Worten: zwei ) von damals sind auch heuer mit von der Partie. Stimmung, Atmosphäre und Motto dieses österlichen Schachrituals gleichen sich jedoch seit ehedem: In familiärer Atmosphäre diesem wunderbaren Hobby nacheifern.

Auf den Brettern werden sich wie jedes Jahr kunstvolle Schlachten, menschliche Dramen und archaische Abgründe abspielen. Aber genau das macht die Faszination des Schachspiels aus. Am Osterdienstag führt deshalb der Weg durch den Main Spessart in euphorischer Vorfreude nach Erlenbach. Und das mit schachlichen Frühlingsgefühlen – ohne Frage!

KL