ARTIKEL ZUM SCHLAGWORT: UEM 2022

UEM Schlusslichter (#13) – Auf der Suche nach der verlorenen Unterfränkischen

Der UEM Zug hat den Wertheimer Bahnhof verlassen. Wo ist der nächste Halt? Möglicherweise Erlenbach bei Marktheidenfeld? Dort gibt es bereits den kommenden potentiellen Bewerber. Allerdings muss die Hallenverfügbarkeit noch geklärt werden. Nach der UEM ist vor der UEM. Die Proust’sche Suche nach der verlorenen Unterfränkischen seitens Jonathan Simon in dessen Berichten hat ihr einstweiliges Ende gefunden.

Die 75jährige Tradition des mittlerweile 101jährigen USV mit den Austragungen der Unterfränkischen Einzelmeisterschaften seit 1947 ist zurück, nicht mehr ganz so selbstverständlich in Zeiten Coronas, Zeiten eines digitalen Schachbooms, aber gleichzeitig parallelen Niedergangs des Clubabends und Vereinswesens.

Die Unterfränkischen Meisterschaften sind mehr als nur das Bewegen von Schachfiguren oder ein Wettkampf um Sieg und Aufstieg. Sie sind ein vertrautes Ritual in komplexen Zeiten und besitzen eine große soziale Komponente, die man in Zeiten von Lockdown und Abstand vermisste.

Meine Unterfränkische „Tradition“ reicht zurück bis ins Jahr 1986, in die Lauertalhalle von Maßbach, als es noch bis zu 2 Hängepartien (Was ist eine Hängepartie? Fragen sich die Jüngeren unter uns…) , teilweise um 22 Uhr angesetzt, pro Tag gab, um abgebrochene Partien fortzusetzen. Runden wurden nicht per Computer, sondern per Hand und „Geschick“ gepaart. Manchmal, und insbesondere vor den letzten Runden geschah dies in Geheimbundsitzungen schelmisch, manipulativer Zirkel.

In den Hängepartien trainierte man en passant Endspielbehandlung und studienhafte Wendungen. Es war eine Zeit, in der man sich zum großen Schlachtschüsselessen, auf meterlangen Holzplanken serviert, in der Halle verabredete. Die Zuteilung zu Übernachtungszimmern geschah nicht per booking.com, sondern wurde über Gastfamilien des ausrichtenden Vereins organisiert. Ich kann mich noch an zwangsarrangierte😉 Übernachtungen mit „zugeteilten“ Schachkollegen aus Prichsenstadt und Heidingsfeld in Doppelzimmern erinnern. All diese Merkmale stärkten die Gemeinschaft.

Und auch die jüngsten, 71.ten Unterfränkischen Meisterschaften bleiben in bester Erinnerung: Blendend gutes Wetter,  liebliche Altstadtgassen und Fachwerk, eine geräumige Spielhalle, gut gelaunte Schachkollegen, die ihrem Hobby eine Woche frönen konnten, eine tolle Organisation mit elektronischen Schachbrettern,  blaugelbe Farbtupfer, Kuchen bis zum Abwinken, und und und…

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UEM Streiflicht (#12) – Father & Son

In der siebten Runde führte das Los Robert & mich zusammen, was es bei Unterfränkischen Meisterschaften schon drei Male tat. Da wir prinzipiell keine Vater -Sohn Duelle austragen, hatten wir das Alternativprogramm schon im gut gefüllten Rucksack eingepackt:

Wanderung auf alten Römersteigen zu einem Panoramaaussichtspunkt hoch über Wertheim.

Wir ließen es uns in der Natur gutgehen und betrieben ausgiebig „Shinrin Joku“.

Auch dieses Begleitprogramm gehört zu den vielen Facetten einer Unterfränkischen! (mehr …)

UEM Streiflichter (#11) – Der Pferdeflüsterer

Andre Nicolas Heidel kommt bestens ausgestattet zu seinen Partien. Ein Farbtupfer bei den Unterfränkischen, wo er mit einer starken Leistung verdient Dritter der MI wurde.

Der frohgelaunte Aschaffenburger vertraut auf Obstiges, um sich für seine schwerblütigen Partien aufzupeppen, und für die nötige Energiezufuhr zu sorgen.

Best equipped Nicolas (Fotos K. Link )

Man schaue neben sein Brett: Reichlich (back-up) Bananen, eine tägliche Fruchtmischung gesunder Wasser- und Honigmelonenstückchen, dazu eine Apfelsaftschorle. Vielleicht fehlen im Angebot nur noch gesunde

aber das ist nur so eine subjektiv assoziative Meinung des Autors😉 (mehr …)

UEM Streiflicht (#10) – Der Sündenfall

Josef Steinmachers Schachvita reicht zurück bis in die 70er Jahre. Beim SK Heidelberg stand er in den 80ern in der Meldeliste der Bundesligamannschaft.

Josef Steinmacher, volle Konzentration vor der Partie (Foto K. Link )

Mittlerweile spielt Josef beim SK Bad Mergentheim in der Baden Württembergischen Verbandsliga. Er ist ein Beispiel ausnahmsloser Nachhaltigkeit und Kontinuität, und ist bei vielen regionalen Turnieren anzutreffen.

Was macht man in den Ostertagen als Wertheimer? Natürlich! Man spielt spontan mit bei den Unterfränkischen Meisterschaften, und gibt sich die volle MI – Breitseite 😊

So rochierte er jeden Tag gut motorisiert und als Einheimischer ohne Orientierungsprobleme mit seinem flotten Roller zur Spielstätte.

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UEM Streiflichter (#9) – Steinwall und Flügelzange

Im Schachspiel werden ab und an für außenstehende Laien seltsame “Werkzeuge” eingesetzt, um erfolgreich zu sein.

Horst Steeger zeigte in der Aufstiegsklasse, wie es geht.

Horst Steeger macht’s mit Steinwall & Flügelzange (Foto K. Link)

In Runde acht baute er gegen Manuel Simon einen Steinwall, und griff später zur f5 & h5 Flügelzange, um die schwarze Königsbastion zu knacken.

Sein “stonewall”, eine typische Bauernformation, oft in der Holländischen Eröffnung mit Schwarz anzutreffen, ist ebenso charakteristisch für die weiße Bauernkette c3–d4–e3–f4.

Im 14.Zug brachte Horst seinen Steinwall mit e3-e4 ins Rollen…

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