Unterfränkischer Schachverband e.V.
Bezirksverband des Bayerischen Schachbundes im Deutschen Schachbund e.V.
und Bayerischen Landessportverband

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UEM Schlusslichter (#13) – Auf der Suche nach der verlorenen Unterfränkischen

Der UEM Zug hat den Wertheimer Bahnhof verlassen. Wo ist der nächste Halt? Möglicherweise Erlenbach bei Marktheidenfeld? Dort gibt es bereits den kommenden potentiellen Bewerber. Allerdings muss die Hallenverfügbarkeit noch geklärt werden. Nach der UEM ist vor der UEM. Die Proust’sche Suche nach der verlorenen Unterfränkischen seitens Jonathan Simon in dessen Berichten hat ihr einstweiliges Ende gefunden.

Die 75jährige Tradition des mittlerweile 101jährigen USV mit den Austragungen der Unterfränkischen Einzelmeisterschaften seit 1947 ist zurück, nicht mehr ganz so selbstverständlich in Zeiten Coronas, Zeiten eines digitalen Schachbooms, aber gleichzeitig parallelen Niedergangs des Clubabends und Vereinswesens.

Die Unterfränkischen Meisterschaften sind mehr als nur das Bewegen von Schachfiguren oder ein Wettkampf um Sieg und Aufstieg. Sie sind ein vertrautes Ritual in komplexen Zeiten und besitzen eine große soziale Komponente, die man in Zeiten von Lockdown und Abstand vermisste.

Meine Unterfränkische „Tradition“ reicht zurück bis ins Jahr 1986, in die Lauertalhalle von Maßbach, als es noch bis zu 2 Hängepartien (Was ist eine Hängepartie? Fragen sich die Jüngeren unter uns…) , teilweise um 22 Uhr angesetzt, pro Tag gab, um abgebrochene Partien fortzusetzen. Runden wurden nicht per Computer, sondern per Hand und „Geschick“ gepaart. Manchmal, und insbesondere vor den letzten Runden geschah dies in Geheimbundsitzungen schelmisch, manipulativer Zirkel.

In den Hängepartien trainierte man en passant Endspielbehandlung und studienhafte Wendungen. Es war eine Zeit, in der man sich zum großen Schlachtschüsselessen, auf meterlangen Holzplanken serviert, in der Halle verabredete. Die Zuteilung zu Übernachtungszimmern geschah nicht per booking.com, sondern wurde über Gastfamilien des ausrichtenden Vereins organisiert. Ich kann mich noch an zwangsarrangierte😉 Übernachtungen mit „zugeteilten“ Schachkollegen aus Prichsenstadt und Heidingsfeld in Doppelzimmern erinnern. All diese Merkmale stärkten die Gemeinschaft.

Und auch die jüngsten, 71.ten Unterfränkischen Meisterschaften bleiben in bester Erinnerung: Blendend gutes Wetter,  liebliche Altstadtgassen und Fachwerk, eine geräumige Spielhalle, gut gelaunte Schachkollegen, die ihrem Hobby eine Woche frönen konnten, eine tolle Organisation mit elektronischen Schachbrettern,  blaugelbe Farbtupfer, Kuchen bis zum Abwinken, und und und…

In der Hoffnung, auch im kommenden Jahr ein solches Event zu erleben noch ein paar selbstgeschossene Impressionen:

Oksana & Hand-Jörg Gies trauten sich 😉…und hatten maßgeblichen Anteil am Gelingen der UEM in Wertheim

Lesia Burkot, freundliche Helferin in der Küche und Mutter zweier mitspielender Schachmädchen

Jürgen Müller, Internationaler SR, Deutscher Meister und Turnierorganisator-Großmeister, kalibrierte täglich die filigranen elektronischen Bretter und brachte Internationalen Flair an den Untermain.

King Arthur, digitaler, DWZ gewichtiger „Thuri“ mit großem Schachpotential, hat den MI Aufstieg nur knapp in der letzten Runde verpasst.

Can Ersöz, Wertheimer Urgestein, Dritter der MII und Aufsteiger in die Meisterklasse I – wir sehen uns!

Dr. Dirk Schellenberg, MII Vizemeister, hoch konzentriert und im kommenden Jahr ebenfalls auf MI Punktejagd

Jonathan Simon, Masterstudent, modischster Schachspieler des Turniers, Wahlheimat Augsburg und exzellent-prämierter Verfasser von Schacherzählungen

Timo Helm, Vollblutschachspieler gepaart mit staubtrockenem Rhön-Grabfelder Humor, liebt verschachtelte Stellungen, in denen er sich austoben kann.

Ottmar Bauer, Winzer und Beherbergungsbetreiber nimmt sich eine Woche Schachauszeit

Michael Scholz, Schach Enthusiast, Anhänger des Skandinavischen, konnte als Einziger Ludwig Roth in der MII Einhalt gebieten, großer Respekt vor seiner schachlichen Leistung

Stefan Blank, regelmäßiger UEM Gast, lieferte sich ein Wolgadrama mit Jonathan

Robert Huck, Alzenau, taucht tief in seine Stellungen ein, Endspurt mit 3 aus 4 in den letzten vier Runden der MII

Moritz und …

Matthias Basel

… gehören zur elitären Vater-Sohn Gilde, die bei den Unterfränkischen zeitgleich teilnahmen. Dazu gehör(t)en Walter & Claus Behl, Alfred & Martin Hock?, Fred & Fabian Englert, Fritz & Michael Scholz, Gerhard & Jürgen Müller, Klaus & Robert Link ….und…wer kennt noch mehr Vater-Sohn Duos?!?

Klaus Oster, sympathischer Vertreter Sailaufs, sportlich kraftvoller Typ, stieg mit 3,5 Punkten ganz knapp aus der MI ab

Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm, erstmalige Teilnahme von Johannes Wambach aus Erlenbach am Main

Klaus Engelbrecht, rechts, vom SK Bad Neustadt mit 4/9 im Aufstiegsturnier, kompromissloses Schach, nur Nullen oder Einsen, kein Remis

Konrad Diener, 1.Vorsitzender von Germania Erlenbach, potentieller Ausrichterverein 2023, auch im Jugendtraining hoch engagiert

…dessen Vereinskollege, Markus Rauth, Vierter der MII und erfolgreicher Aufsteiger in die MI

Jakob Roth, SpVgg Stetten, studiert in Schweinfurt, spielt Basketball, absolvierte die MI bravourös

Daniel Hofmann, erste Unterfränkische, DWZ 900, spritziges Schach und gleich 5 Punkte im Hauptturnier geholt!

Feste Größe im Unterfränkischen Schach, der Bad Königshofener Gunter Beyersdorf, ebenfalls 5 Punkte im HT

Ekkehard Weineck vom Würzburger SV errang mit 5,5 aus 9 und dem vierten Platz, Aufstieg in die MII, Glückwunsch!

Christiane Köberl, SC Sulzbach, gut gelaunt, mit Letztrundenfinish in der MII

Lutz Müller, unnachahmliche, großartige Gestik beim Nacherzählen seiner Partien, 4/9 in der MII

Anton Hennig steht für Emotionen am und ums Brett, stets mit hoher Leidenschaft, diesmal reichten seine drei Punkte nicht zum Klassenerhalt in der MII

Thomas Drewes vom SV Würzburg, Dauerabonnent UEM folgt Anton ins Hauptturnier nach

Martin Herberich, Faulbach, Dritter im Hauptturnier!

Manuel Simon, SC Mömbris, verlor die entscheidende Partie gegen den Sieger im Hauptturnier, 5/9

Fred Englert, Vizemeister im Hauptturnier, pendelte zum Daumendrücken beständig zum Sohn in der MI, im Resultat erfolgreich😉

José Rodriguez machte seine erste Unterfränkische enorm Spaß, demnächst nicht nur mit Lederjacke, sondern auch mit DWZ Weste ausgestattet.

…seine Gegnerin aus Runde 7 vom gleichen Verein, SK Klingenberg, die junge Nadiia Burkot

Anna Biloholovko, greift mit spitzer Feder an, ehrgeizig, fokussiert, erzielte bereits 4 Siege

Aleksandr Grinev, Bad Königshofen, bei seiner ersten Unterfränkischen EM

Elias Gleeb, SV Germania Erlenbach, die Pokale schon in Reichweite

Name Burkot, diesmal ist es Schwester Sofiia, ebenso mit Doppel „ii“, erfolgreiche schachliche Zukunft, 4/9 im Hauptturnier, trainiert seit Kurzem beim SK Klingenberg

Hajro Cekovic vom ausrichtenden Verein SK Wertheim, 3,5 Buchholzpunkte fehlten ihm zum MII Aufstieg

Alisa Kalinina, SK Bad Königshofen, starke 5 Punkte im HT

Wolfgang Max Schmidt, SK Bad Neustadt, RockmeetsChess Organisator, immer Smart unterwegs, setzt auf sein Maskottchen „Rüssel“ , 5/9 (HT)

Florian Völlinger, Hessisch-Bayerischer Grenzgänger, SK Mömbris, 50% in der MII

David-Andrei Valean, einziger Teilnehmer vom Traditionsverein Schachklub Schweinfurt. Von ihm wird noch zu hören sein. Siebter in der Endabrechnung mit 5 Punkten im Aufstiegsturnier.

Impressionen aus der Turnierhalle:

  • (Fotos K. Link )
  • UEM Partien auf : https://live.ufra-schach.de/2022/index.html
  • UEM Bericht der Mömbriser Schachfreunde: „Vier Piraten auf Aufstiegskurs?

Bis nächstes Jahr! 😉

[KL]