Unterfränkischer Schachverband e.V.
Bezirksverband des Bayerischen Schachbundes im Deutschen Schachbund e.V.
und Bayerischen Landessportverband

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10 Fragen an Lina Kastl

Lina im März 2026 bei einem Ausflug von Seubrigshausen in Richtung Thundorf. Zur Erholung in der Pause war natürlich das Schachbrett mit im Gepäck. Wer die Partie gewonnen hat, ist nicht überliefert. Bildquelle: Lina Kastl.

Wer in Unterfranken Turniere besucht, hat Lina bestimmt schon einmal gesehen. Oder vielleicht sogar schon einmal gegen sie gespielt? Meistens kommt Lina nicht alleine, sondern wird von Vereinskollegen vom Dicken Turm Münnerstadt begleitet (was für ein Vereinsname! genial). Die Themen Verein, Gemeinschaft und Zusammengehörigkeitsgefühl werden weiter unten noch eine Rolle spielen. Der Eindruck, den man gewinnt: eine fröhliche junge Frau, die abseits des Schachbretts viel lacht, am Schachbrett aber hochkonzentrierte Höchstleistungen erzielt. Und so freuen wir uns sehr, dass sie sich an unserer kleinen Interviewreihe beteiligt.

Lina ist 21 Jahre jung und wohnt bei ihrer Familie in Seubrigshausen, einem Stadtteil von Münnerstadt. Mit insgesamt 6 jüngeren Geschwistern kann man sich vorstellen, dass es da nicht langweilig wird. 2023 hat Lina ihr Abitur in Münnerstadt gemacht und ist aktuell in der Ausbildung zur Justizfachwirtin. Neben Schach gilt ihre Leidenschaft der Musik, schon mit 8 Jahren stellte sie sich den Herausforderungen des Saxophons und hat seitdem große Freude für die Musik entwickelt, sodass noch die Instrumente Klavier, Akkordeon, Gitarre und Bass dazugekommen sind. Ganz sicher nicht die einfachsten Musikinstrumente!

Neben der Tätigkeit im Schachverein engagiert sich Lina zusätzlich in der Kirche als Oberministrantin sowie als Kantorin und ist Mitglied im Pfarrgemeinderat.

Eine sehr vielseitige junge Frau mit Ansichten, die zum Nachdenken anregen. Neugierig geworden? Viel Spaß beim Lesen der 10 Fragen an Lina Kastl

Frage 1: Wie bist Du zum Schach gekommen und was hat Dich dort gehalten?

Mein Vater hat sich, als ich 5 Jahre alt war, das Schachspielen selbst beigebracht und mir die Grundregeln des Schachs beigebracht.

Danach hatte ich allerdings nicht mehr viel mit Schach zu tun.

So richtig angefangen hat es im Corona-Lockdown, als mich mein jetziger Freund, der damals schon Vereinsspieler war, aus Spaß zu einer Online-Fernschachpartie herausgefordert hat.

Wir haben anschließend sehr viel auf Lichess gespielt und er hat mir anhand der Partien nach und nach verschiedene Grundmotive gezeigt.

Dass ich bis jetzt drangeblieben bin, habe ich aber sicherlich der guten Jugendarbeit meines jetzigen Vereins Dicker Turm Münnerstadt zu verdanken.

Zu Corona-Zeiten haben nämlich mit Claudia Reichert und Jannik Kiesel zwei engagierte, junge Mitglieder des Vereins wöchentlich Online-Training angeboten, bei dem ich dann auch mal reingeschnuppert habe. Schon nach den ersten paar Trainings stand für mich fest, dass ich dem Verein beitreten möchte.

So bin ich 2021 dem Schachclub Dicker Turm Münnerstadt beigetreten und habe 2022, in meiner letzten U18-Saison, dann auch erste Turniere gespielt. Mittlerweile bin ich auch als Schriftführerin und Jugendtrainerin tätig.

 

Frage 2: Beim Dicken Turm Münnerstadt wird hervorragende Jugendarbeit geleistet. Was hat Dich in Deiner schachlichen Entwicklung in der Jugend vorangebracht und was hat Dich gebremst?

Wie schon erwähnt hatte ich wegen meines „Späteinstiegs“ leider nur eine Jugendsaison. Vorangebracht hat mich aber definitiv der gute Zusammenhalt und das gegenseitige Motivieren in unserem jungen Team.

Auch, dass in unserem Verein jungen Mitgliedern früh Vertrauen z.B. in Form einer Vorstandsfunktion entgegengebracht wird, ist ein ausschlaggebender Grund dafür, dass bei uns auch die Jungen am Ball bleiben.

Gebremst hat mich – und tut es bestimmt auch jetzt noch – ganz klar mein häufiges Bullet spielen auf Lichess. Da verlernt man mehr als man dazulernt :p.

 

Frage 3: Woran erkennst Du einen starken, einen mittelmäßigen und einen schlechten Schachspieler?

Schwierige Frage!

Ein „schlechter“ Spieler erkennt die Komplexität einer Stellung nicht. Ein mittelmäßiger Spieler erkennt sie, aber will vereinfachen. Ein starker Spieler forciert die Komplexität.

Aber natürlich kann man das so pauschal nicht sagen.

 

Frage 4: Was waren die größten „AHA“ Erlebnisse bei der kürzlich gewonnenen Bayerischen Meisterschaft der Frauen?

Definitiv die Erkenntnis, dass sich Kämpfen lohnt!

Natürlich hängt es von der Stellung ab, ob weiterkämpfen Sinn ergibt oder nicht, aber auf unserem Niveau kann man davon ausgehen, dass auch den Gegnern noch teilweise Fehler unterlaufen werden und Gewinnstellungen nicht immer blitzsauber heruntergespielt werden.

Nachdem ich in Runde 6 gegen die Zweitgesetzte eine „verloren geglaubte“ Partie gewonnen hatte und immer noch verlustpunktfrei war, habe ich so langsam realisiert, dass Platz 1 wirklich möglich ist!

Ein weiteres „AHA“ war, wie wichtig Zeitmanagement ist. Bei der Bayerischen Frauen-EM gab es insgesamt viele Partien, die in Zeitnot gekippt sind. In einer klassischen Partie ist es nicht einfach, sich die Zeit sinnvoll einzuteilen und einzuschätzen, wann längere Bedenkpausen nötig sind und wann pragmatisch gespielt werden muss.

 

Frage 5: Welchen Menschen würdest Du gerne mal treffen und was wäre Deine wichtigste Frage?

Einen Menschen aus dem Jahr 3000! Mich würde interessieren, wie sich die Welt bis dahin entwickelt hat. Was haben wir heute richtig oder falsch gemacht? Welche technischen Fortschritte gibt es, und wie leben die Menschen dann? Und natürlich würde ich gerne wissen, ob es Schach im Jahr 3000 noch gibt – und wenn ja, wie es gespielt wird.

 

Frage 6: Welches Buch, welche CD und welcher Film müssen mit auf die einsame Insel?

Ich lese tatsächlich kaum, aber auf eine einsame Insel würde ich vermutlich irgendeinen Liebesroman mitnehmen.

Mein Musikgeschmack schwankt regelmäßig, aber stand jetzt würde ich wahrscheinlich eine CD der Red Hot Chili Peppers mitnehmen. Und als Film ganz klar meinen Lieblingsfilm Titanic.

 

Frage 7: Dein Geheimnis für körperliche und geistige Fitness?

Aufgrund meiner Bürotätigkeit und meiner körperlich nicht allzu anspruchsvollen Hobbys kommt bei mir der Sport leider oft zu kurz. Um fit zu bleiben, gehe ich aber sehr gerne wandern, weil man dabei nicht nur Sport macht, sondern auch schöne Natur erleben kann.

Um geistig fit zu bleiben, sollte man denke ich offen sein, Neues zu lernen und immer wieder neue Herausforderungen annehmen. Schach ist dafür natürlich auch nicht schlecht :).

 

Frage 8: Was wären die wichtigsten Themen aus Deiner Sicht, um das Schach in Unterfranken im Breitensport und im Spitzensport voranzubringen?

Ich glaube, dass vor allem die Vereine selbst eine wichtige Rolle spielen. Gute Jugendarbeit und ein aktives Vereinsleben sind meiner Meinung nach die Grundlage dafür, dass Menschen langfristig beim Schach bleiben. Ich habe selbst erlebt, wie viel es ausmacht, wenn man im Verein nicht nur Schach lernt, sondern sich auch Gemeinschaft erlebt und Verantwortung übernehmen darf.

Für den Spitzensport braucht es natürlich zusätzlich gute Trainingsmöglichkeiten und die Chance, regelmäßig auf starke Gegner zu treffen. Wichtig ist deshalb, dass es sowohl für Anfänger und Hobbyspieler als auch für ambitionierte Spieler attraktive Angebote gibt.

 

Frage 9: Welchen Schachspieler bewunderst Du am meisten?

Da gibt es mehrere.

Aber unter anderen Vincent Keymer. Ich verfolge ihn schon länger und finde beeindruckend, was er in seinem jungen Alter schon alles erreicht hat.

 

Frage 10: Dein wichtigstes Ziel für die Zukunft?

Neben schachlichen und beruflichen Zielen ist es mein Hauptziel, irgendwann eine eigene Familie zu gründen.

 

Lina: vielen Dank für Deine sehr fundierten Ansichten zum Schachsport und Deine offenen Antworten zu persönlichen Fragen. Noch einmal herzlichen Glückwunsch zum Titel Bayerische Meisterin und wir freuen uns auf Deine weiteren, großartigen Turniere in der Zukunft.

In memoriam Klaus Link (1966-2024)

(MVE)